Wer heute psychotherapeutische Hilfe sucht, steht meist vor monatelangen Wartelisten. Das ist kein Zufall. Es ist das direkte Ergebnis einer Gesundheitspolitik, die den tatsächlichen Bedarf ignoriert und den Ausbau von Therapieplätzen aktiv blockiert.
Die Deutsche PsychotherapeutenVereinigung (DPtV) fordert deshalb jetzt spürbare Konsequenzen von den politischen Entscheidungsträgern.
Die Kernpunkte der aktuellen Debatte im Überblick:
- Bereits erfolgte Honorarkürzungen: Entgegen dem steigenden Bedarf wurden die Vergütungen für psychotherapeutische Behandlungsstunden bereits im April 2026 pauschal abgesenkt. Das bedeutet, dass psychotherapeutische Praxen weniger Geld für jede durchgeführte Therapiestunde bekommen.
- Drohende Budgetierung ab 2027: Die Politik plant die Wiedereinführung einer strikten Budgetierung. Das bedeutet, dass Behandlungen ab einer bestimmten Grenze nicht mehr voll bezahlt werden. Bei meinem halben Kassensitz läuft dies auf eine Begrenzung von nur noch 8 voll vergüteten Patienten pro Woche hinaus. Jede Behandlung darüber hinaus wird möglicherweise nicht bezahlt.
- Gefahr einer Zweiklassenmedizin: Diese Sparmaßnahmen bringen Praxen in finanzielle Schwierigkeiten. Um die Einbußen wieder ausgleichen zu können, werden vermehrt Behandlungsplätze für Privatversicherte und Selbstzahler angeboten werden müssen. Gesetzlich Krankenversicherte geraten dadurch noch viel weiter ins Hintertreffen und die Wartezeiten werden noch weiter ansteigen. Die geplanten Budgetgrenzen und Sparmaßnahmen gefährden die psychische Gesundheit der Bevölkerung.
- Veraltete Berechnungen: Die Verteilung von Therapieplätzen in Deutschland basiert auf Jahrzehnte alten Zahlen. Obwohl immer mehr Menschen Hilfe benötigen, verschiebt die Bundesregierung die versprochene Anpassung der Plätze an die Realität immer weiter nach hinten.
- Gefährliches Abwarten: Seelische Erkrankungen verschwinden nicht von allein. Je länger notwendige Reformen verschleppt werden, desto größer ist das Risiko, dass aus einer akuten Krise eine dauerhafte, chronische Erkrankung wird. Das belastet die Betroffenen und ihre Familien schwer.
Was das für Sie bedeutet und wie wir damit umgehen:
Diese Reformen bedrohen die flächendeckende, wohnortnahe und qualitativ hochwertige Versorgung. Sie führen dazu, dass psychisch erkrankte Menschen im Regen stehen gelassen werden, während TherapeutInnen in einem überlasteten System ausbrennen.
Ich werde mich weiterhin mit aller Kraft für Ihre psychische Gesundheit einsetzen und Proteste der Fachverbände gegen diesen gesundheitspolitischen Rückschritt unterstützen.
Ihre Stimme zählt: Wenn Sie von langen Wartezeiten betroffen sind oder Schwierigkeiten bei der Suche nach einem Therapieplatz für sich oder Ihr Kind haben, wenden Sie sich an Ihre Krankenkasse und die zuständigen Wahlkreisabgeordneten. Psychische Gesundheit darf kein Luxusgut werden.
Quellen:
Informationen und aktuelle Stellungnahmen finden Sie auf den folgenden offiziellen Seiten:



